Curriculum-Theorie

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Wir arbeiten aktuell daran, die neuen Funktionalitäten von Moodle 3.8. zu dokumentieren.


Unter "Curriculum-Theorie" versteht man die Art und Weise, wie eine Bildungseinrichtung entscheidet, was wert ist, gelehrt und gelernt zu werden und wie das Lernen gemessen wird. Die Pädagogik steht in enger Beziehung zur Curricilum-Theorie, doch während die Pädagogik beschreibt, WIE Menschen lehren und lernen, beschreibt die Curriculum-Theorie, wie Menschen entscheiden, WAS gelehrt und gelernt werden soll. Moodle ist in der Lage, eine ganze Bandbreite von Curriculium-Theorien und Pädagogiken zu unterstützen.

Überblick

Die Mission von Moodle ist es, "Pädagogen bei der Verbesserung der Welt zu unterstützen". Moodle ist bestrebt, Pädagogen zu unterstützen, so dass sie qualitativ hochwertige Bildungsarbeit leisten können. Zuerst muss jedoch die Frage beantwortet werden: "Was ist hochwertige Bildungsarbeit?" Wir können nicht etwas messen, was wir nicht vorab definiert haben. Die Frage ist jedoch sehr schwer zu beantworten - tatsächlich gibt es nicht DIE eine Antwort darauf. Die Antwort kann ja nach Zeit und Ort variieren, und die meisten Menschen arbeiten mit mehr als einer Definition. Hier kommen einige Aspekte, was "hochwertige Bildungsarbeit" bedeuten kann. Sie haben alle eine Berechtigung. Einige sind schwieriger zu messen als ander, aber das bedeutet nicht, dass die schwierigen Aspekte weniger wichtig sind. Tatsächlich können sie die wichtigsten sein.

  • Die besten Lernenden werden identifiziert und schlagen eine akademische Laufbahn ein.
  • Alle Lernenden weisen grundlegende Kompetenzen nach.
  • Alle Lernenden entwickeln lebenslange Lerngewohnheiten und -fähigkeiten und verfolgen eigene Ziele.
  • Alle Lernenden werden einbezogen und bekennen sich zu Gemeinschaftsidealen und -aktionen.

Es gibt viele Möglichkeiten, Curriculum-Theorien zu klassifizieren. Die folgende Struktur dient als nützliche Referenz:

Quelle des Wissens
Objektive Realität Akademisch
Die Lernenden schlagen eine akademische Laufbahn ein.
Traditionalles Lehren
Kognitivismus
Individualist
Die Lernenden entwickeln lebenslange Lerngewohnheiten.
Lerner-zentriert
Konstructivismus
Subjektive Realität
Pragmatic
Die Lernenden erwerben Kompetenzen
Training am Arbeitsplatz
Behaviorismus
Idealist
Die Lernenden bekennen sich zu Gemeinschaftsidealen und werden aktiv.
Transformatives Lernen
Sozialer Konstructivismus
Verwendung des Wissens

Für mehr Informationen, siehe Curriculum Theory: Conflicting visions and enduring concerns von Michael Schiro.

In dieser Struktur kann ein Bildungsprogramm oder ein/e Lehrende/r an jeder der vier Curriculum-Theorien ausgerichtet werden und die meisten werden nach mehr als einer Theorie ausgerichtet. Die Ausrichtung kann sich jederzeit und mit dem Kontext ändern. Die obigen Begriffe werden einfach verwendet, um sich auf die jeweiligen Bildungsprioritäten zu beziehen.

Wichtig ist anzumerken, dass jede Curriculum-Theorie sich an einer bestimmten Pädagogik ausrichtet, und das hat Auswirkungen auf die Wahl der Lehrstrategien, der Lernerfolgskontrollen, der Evaluationskriterien für das Bildungsprogramm, der Learning-Analytics-Modelle usw. Moodle bietet eine große Vielfalt an Werkzeugen, um die verschiedenen Curriculum-Theorien zu unterstützen.

Akademisch

Eine Institution, die sich auf ein akademisches Curriculum konzentriert, hat folgende Ziele:

  • Die Fähigkeiten der Lernenden werden akkurat gemessen.
  • Die Bewertungen der Lernenden entsprechen einer Normalverteilung.
  • Die Lernenden schließen fristgerecht ab.
  • Die besten Lernenden streben eine akademische Karriere an.

Jede Community muss in der Lage sein, die eigenen Lernenden zu identifizieren und zu ermutigen. Moodle unterstützt die Entwicklung der Lernenden auf verschiedene Weise, insbesondere durch die Bereitstellung einer flexiblen Aufgabe-Aktivität, das eine große Bandbreite an Dateien als Abgabe akzeptiert, erweiterte Bewertungsmethoden wie Rubriken und Bewertungsrichtlinien bereitstellt, um die Konsistenz der Bewertungen zu unterstützen. Trainer/innen können Dateien online annotieren, und Trainer/innen könen mit Teilnehmer/innen Kommentare ausgetauschen.

Moodle unterstützt auch die akademische Rechtschaffenheit und Werkzeuge zur Plagiatsuche, wie z.B. Crot und Turnitin, die häufig von akademischen Institutionen nachgefragt werden, um ein gutes wissenschaftliches Arbeiten zu vermitteln. Moodle stellt Werkzeuge bereit, die von den Lernenden die Zustimmung zum akademischen Verhaltenskodex verlangen, wenn sie sich das erste Mal anmelden oder eine Aufgabenabgabe einreichen.

Moodle stellt eine detaillierte Test-Statistik zur Verfügung, die eine psychometrische Analyse von einzelnen Testfragen ermöglicht. Das hilft dabei sicherzustellen, dass die Lernenden in Tests korrekt und fair bewertet werden.

Learning Analytics kann die Charakteristiken des Bildungsprogramms in den Mittelpunkt stellen, statt die einzelnen Lernenden, auch wenn eine Rückmeldung zu ihrem Stand in der Rangliste des Bildungsprogramms für die Lernenden angebracht sein kann. Beachte Sie, dass eine soclhe Rückmeldung jedoch Folgen haben kann: Lernende, die keinen vorderen Platz in der Rangliste erreichen, könnten entmutigt werden.

Pragmatisch

Bei diesem Ansatz werden nicht nur die leistungsfähigsten Lernenden in den Blick genommen. Es soll auch sichergestellt werden, dass alle Lernenden (oder so viele wie möglich) grundlegende Kompetenzen erwerben. In diesem Fall haben wir verschiedene Werkzeuge, Ziele und Prozessindikatoren. In dieser Curriculum-Theorie haben folgende Ziele Priorität:

  • Alle Lernenden schließen den Kurs ab.
  • Alle Lernenden erwerben die festgelegten Kompetenzen.
  • Alle Lernenden finden einen Job.

Moodle enthält eine große Bandbreite an Werkzeugen für das "personalisierte Lernen", die es ermöglichen, Kurse und Materialien an individuelle Bedürfnisse anzupassen und dabei das Vorwissen und die bereits vorhandenen Fähigkeiten der einzelnen Lernenden zu berücksichtigen:

Das Learning Analytics Modell Teilnehmer/innen sind gefährdet auszusteigen nutzt das Ziel der kontinuierlichen Mitarbeit beim Lernen. Dieses Ziel wurde gewählt, weil es nur wenige Annahmen trifft.Finale Bewertungen oder Ergebnisse von summativen Evaluationen werden häufig nicht in Moodle gespeichert, und viele Institutionen nutzen die Funktionalitäten von Kompetenzen und Kursabschlusskriterien bislang nicht. Zum Trainieren eines Modells können jedoch nur Erfolgskriterien verwendet werden, die in Moodle gespeichert sind.

Individualistisch

Bei diesem Ansatz liegt der Fokus nicht nur auf der schulischen Ausbildung. Die Lernenden sollen ermutigt werden, lebenslang zu lernen, sowohl in formalen als auch in informellen Umgebungen. Dazu gehört die Unterstützung der Lernenden beim Erwerb von "metakognitiven" Fähigkeiten, wie das Finden und bewerten von Informationen, Selbstregulierung und das Vermögen, das eigene Wissen und die eigenen Fähigkeiten einzuschätzen. Die Lernenden haben eigene persönliche Ziele, die zu respektieren sind. Diese Ziele und Indikatoren sind besonders wichtig, wenn Leraning Analytics in MOOCs zum Einsatz kommt, in die sich Lernende aus ganz unterschiedlichen Gründen einschreiben, so dass unterschiedliche Erfolgskriterien angewendet werden müssen:

  • Lerner-zentriert
  • Die individuellen Lernziele werden erreicht.
  • Alle Lernenden sind zufrieden.
  • Alle Lernenden verbessern ihre Fähigkeiten im Laufe der Zeit.

Checklist ist ein Zusatz-Plugin für Moodle, das es Lernenden ermöglicht, ihre eigenen Ziele und Zieldaten festzulegen und ihre Zielerreichung selbst einzuschätzen. Das ist eine Funktionalität, die wir benötigen, um die selbstgesteuerte Lernfähigkeit zu beurteilen. Wir können die Feedback-Aktivität nutzen, um Daten zur Zufriedenheit und Kommentare der Lernenden zu sammeln. Das schließt Feedback-Werkzeuge ein, die auf der Startseite eingerichtet werden und auf die aus jedem Kurs über den Feedback-Block zugegriffen werden kann. Wir können auch das Festlegen von Zielen mit Hilfe von externen Kalendern und Reminder-Systemen integrieren oder den Lernenden helfen, ihre persönlichen Ziele zu "gamifizieren". (Es ist auch möglich, die persönlichen Ziele mit Hilfe einer Datenbank zu erfassen, wobei die Abschlussanzeige über CSS angepasst werden muss.)

Wir können die Selbsteinschätzung zu einer messbaren Leistung machen, z.B. mit Hilfe der Funktionalitäten "Einreichung" und "Selbstbeurteilung" der Aktivität Gegenseitige Beurteilung. Diese Funktionalität misst die Fähigkeit zur Beurteilung in Bezug auf den Mittelwert aller Bewertungen durch Peers oder Trainer/innen und vergibt eine Teilbewertung für die Beurteilung und eine Teilbewertung für die eigentliche Abgabe.

Portfolios werden häufig verwendet, damit Lernende Arbeitsproben sammeln und vergleichen können, um den Fortschritt über einen längeren Zeitraum zu sehen.

Idealistisch

Die idealistische Curriculum-Theorie betont die Inklusion aller Lernenden und das soziale konstruktivistische Lernen.

  • Alle Lernenden nehmen vollumfänglich am Kurs teil (sie werden nicht marginalisiert).
  • Alle Lernenden legen sich auf bestimmte Ideale fest.
  • Alle Lernenden übertragen das Gelernte in die reale Welt.

Wir glauben, dass Lernende neue Ideale durch offenen Dialog und Engagement übernehmen, und Moodle stellt robuste Forum-Werkzeuge bereizt, um Diskussionen zu unterstützen.

Das Bekenntnis zu solchen Idealen kann in der realen Welt jedoch nicht im Rahmen eines Kurs- oder Trainingsprogrammes gemessen werden. Um den Lernenden in der realen Welt zu folgen, benötigt man solche Werkzeuge, wie das Zusatz-Plugin Reengagement. Dieses Plugin kontaktiert die Lernenden zu einem festgelegten Zeitpunkt nach einem Ereignis und fordert sie auf, in den Kurs zurückzukehren und zusätzliche Aktivitäten abzuschließen.